KVSH Trainingscamp Bad Malente
Ein Wochenende, das zusammenschweißte
Monatelange Planung, unzählige Absprachen und immer wieder dieselbe Frage: Wird das funktionieren?
Am Ende haben wir es gewagt.
Zum ersten Mal in der Geschichte des Karate Verbandes Schleswig-Holstein haben wir uns als Landestrainerteam und den leitenden Funktionären dazu entschieden, ein komplettes Wochenende gemeinsam mit unseren Leistungssportlern des Landeskaders und mit Kampfrichtern unseres Verbandes zu verbringen. Nicht nur zum Trainieren – sondern um als Team zusammenzuwachsen, voneinander zu lernen und eine echte Einheit zu werden.
Am 16.01.2026 war es dann endlich so weit.
Wir trafen uns im Sport- und Leistungszentrum in Bad Malente. Schon beim Ankommen war die Spannung spürbar: Taschen wurden geschleppt, erste Blicke ausgetauscht, leises Lachen hier und da und bei einigen unserer jüngeren Athleten auch ein bisschen Nervosität. Nach einer kurzen Einführung und dem Beziehen der Zimmer ging es direkt zum Abendessen.
Doch Entspannung war nur kurz erlaubt.
Denn kaum 30 Minuten nach dem Essen stand bereits die erste Trainingseinheit an. Die erste Hürde des Wochenendes war also nicht die Halle, sondern der Teller.
Gemeinsam mit Emily durfte ich die Kumitesportler in den großen Raum mit den Judomatten führen. Besonders war dabei, dass alle Altersklassen gemeinsam starteten: von U10 bis zur Masterclass. Eine bewusste Entscheidung. Denn genau hier beginnt Teamgeist: wenn Jung und Alt gemeinsam schwitzen, lernen und sich gegenseitig antreiben.
Obwohl es für viele schon spät war, beeindruckte mich die Konzentration der Sportler enorm. Niemand ließ nach. Der Fokus lag klar auf Wettkampftaktiken. Gerade im Kumite geraten Athleten im Turnier schnell in einen Tunnel. Unser Ziel war es, ihnen Werkzeuge an die Hand zu geben:
Wie lese ich meinen Gegner?
Wann erhöhe ich den Druck und wann ziehe ich mich bewusst zurück?
Wie erziele ich Punkte, ohne mich selbst zu verlieren?
Als wir die Einheit beendeten, war eines klar: Alle waren völlig erschöpft und klatschnass geschwitzt.
Der Weg auf die Zimmer war entsprechend langsam. Und wie ich Emily zitieren muss:
„Wehe ihr geht heute Abend nicht duschen!“
Eine Anweisung, die so hoffen wir auch befolgt wurde.
Natürlich kehrte die Nachtruhe nicht sofort ein. Aber genau diese Abende sind es, an denen aus Trainingspartnern Freundschaften entstehen. Und das ist unbezahlbar.
Der Samstag startete früh und intensiv.
Auf dem Plan stand der Leistungstest, ausgearbeitet von unseren Katalandestrainern Bernd und Lena. Ziel war es nicht, sich miteinander zu messen, sondern die eigene Entwicklung sichtbar zu machen.
Balanceübungen auf instabilem Untergrund, Standweitsprung, koordinative Aufgaben, jeder Sportler bekam einen Laufzettel und drei Versuche pro Station. Immer wieder betonten wir:
Vergleiche dich nicht mit anderen. Vergleiche dich NUR mit dir selbst.
Diese Tests werden wir künftig regelmäßig durchführen, um Fortschritte messbar zu machen und das Maximum aus jedem Einzelnen herauszuholen.
Nach einer kurzen Verschnaufpause ging es für alle gemeinsam in die Theorieeinheit. Hier konnten wir uns einmal mehr auf unseren erfahrenen WKF-Kampfrichter Stephan Koch verlassen, der uns souverän durch die neuen Wettkampfregeln führte, inklusive deren Umsetzung auf nationaler und internationaler Ebene. Die vielen Rückfragen zeigten, wie groß das Interesse war.
Am Nachmittag wurde es dann ernst ,aber auf eine ganz besondere Art.
Gemeinsam mit den Kampfrichtern organisierten wir kleine Wettkämpfe, bei denen auch die Anwärter die Möglichkeit hatten, ihr Wissen anzuwenden und direkt Feedback zu bekommen.
Ein Kampf blieb mir dabei besonders im Gedächtnis. Die Bewertung hätte anders ausfallen müssen, da waren sich viele einig. Doch was dann passierte, machte mich stolz:
Kein Meckern. Keine Diskussionen.
Stattdessen setzten sich die Sportler und Kampfrichter zusammen, analysierten die Situation und zogen gemeinsam ihre Lehren daraus. Genau solche Momente zeigen, dass Leistungssport auch Charakterbildung ist.
Am Abend waren eigentlich alle platt. Eigentlich.
Denn nach dem Abendessen fanden sich unsere jüngeren Athleten plötzlich wieder in der Halle ein zum Spielen, Lachen und Toben. Besonders beliebt: ganz klassisch Fangen spielen. Manchmal sind es eben die einfachsten Dinge, die verbinden.
Der Sonntag markierte den Endspurt.
In der letzten Einheit über 1,5 Stunden forderten wir noch einmal alles, vor allem die Ausdauer. Jeder ging an seine Grenzen. Und manche ein kleines Stück darüber hinaus.
Am Ende bekamen alle Sportler ihren neuen und eigenen KVSH Karatepass überreicht, der als Begleiter dient, um auch die Entwicklungen zu verschriftlichen und nachvollziehen zu könne. Ein Wegbegleiter der individuell geführt wird. Zudem folgten die Aufnahmen in den Landeskader für die Sportler, die uns Trainer mit ihrem Fleiß und den zuvor gemachten regelmäßigen Teilnahmen an den Landeskadertrainings überzeugen konnten.
Im abschließenden Feedbackgespräch wurde schnell klar:
Dieses Wochenende war ein voller Erfolg. Der Wunsch nach einer Wiederholung, vielleicht sogar schon im Sommer nächsten Jahres, war eindeutig.
Für uns als Trainerteam war es der perfekte Start ins Jahr 2026:
Mit motivierten Athleten, neuen Erkenntnissen und einem starken Teamgefühl.
Wir freuen uns auf großartige Turniere, spannende Meisterschaften und viele gemeinsame Erfolge.
Und solltest auch du Interesse haben oder jemanden kennen, der Teil unseres Kaders werden möchte, dann freuen wir uns über eine Teilnahme am nächsten Landeskadertraining zur Sichtung.
Dieses Wochenende hat gezeigt:
Gemeinsam sind wir stärker.
gez. Kim Jonas Hellwig











